DAMIT  ES  NICHT  VERLOREN  GEHT...

 

Meine Schlafplätze

Ganz bestimmt lag auch ich noch im weidengeflochtenen Kinderwagen mit hohen Holzrädern, den ich einmal am Dachboden vor seiner endgültigen Zerstörung entdeckte. Danach kam auch ich in ein Bett. (1) Als die 2 ältesten Geschwister schon im Stübel (kl. Schlafzimmer) lagen, wo vorher die Großmutter heraus gestorben war. Einmal wurde ich munter, weil die Gläser in der Kredenz (Geschirrkasten) schepperten und der ganze Geschirrkasten wackelte, es war ein Erdbeben. Nach dem Schulaustritt mit 14 Jahren kam mein Bruder zu einem Bauern ca. 7 km von daheim entfernt, wo er Sonntags manchmal weinend zu Besuch heimkam. Ebenso wurde auch meine Schwester zu einem kleinen Nebenerwerbsbauern gegeben, wo sie dann eingeheiratet wurde und heute noch als Witfrau lebt. Es war damals noch die 8 Jahr Schulpflicht üblich. Auch ich kam mit 14 aus der Schule und begann 3 Wochen danach schon den Beruf des Maurers zu erlernen, auch mir wurde nichts geschenkt. Jetzt lag ich im Stübel der Platz in einem normalen Bett für mich war frei geworden. (2) Diesen Raum konnte man mit einem Gusseisernen kleinen Öferl (Kanonenofen) bei extremer Kälte mit Holz heizen. Kohle war vor 1938 kaum üblich. Die kostete Geld und Holz konnte man bei einem Bauern für Arbeit erwerben. Nachts hatte ich oft starke Zahnschmerzen. Zum Zahnarzt gehen war nicht üblich, stattdessen legte man ein in Schnaps getränktes Wattebäuscherl auf. Die Zähne die ich damals verlor, gehen mir heute noch ab. Zahnbürsten kannten wir nicht. In meiner ganzen Kindheit musste ich immer wieder zum Ohrenarzt. Forunkeln oder Kabunkeln bildeten sich immer. Der Fehler stammte schon aus meiner kleinsten Kindheit, da auch der Arzt erst zu spät erkannte, warum ich unaufhörlich weinte.

Im alter von 10 Jahren wurden die Schmerzen unerträglich, ich hatte Fieber und wurde zum ersten mal ins KH Melk eingeliefert. Ich war nur 3 Tage und wurde nach Wien ins AKH in die HNO – Abteilung weitergeschickt. Ich wurde wegen Mittelohrentzündung operiert. 13 Tage danach mit 41 Fieber zum 2.mal und diesmal radikal. Es war auch eine Gehirnhautentzündung dazugekommen. Seit da an habe ich links kein Trommelfell mehr und bin auf diesem Ohr taub. Die nächste Schlafstelle war das Dachbodenzimmer (3) über dem Vorhaus, (Brunnen und Einstellraum) das besonders aus Glas (damals noch ganz kleine Täfelchen) und Holz bestand. Vater machte alles selber. Ich kann mich noch gut erinnern wo ein Maurer den Holzbau innen mit Stukkaturrohr bespannte und mit Mörtel sauber verputzte. Der Holzboden sah entsetzlich aus. Ein anderer befestigte außen Eternitplatten. Vorher sah man bei den Brettern durch. Isolierung gab es weder von unten, seitlich oder oben nicht. Es war manchmal entsetzlich kalt, an den Innenwänden war Raureif. Mit einer guten Federtuchent worauf Mutter schon achtete und man diese Hülle über den Kopf zog, war es schon auszuhalten. Das genannte Kanonenöferl konnte man schon aufstellen, doch wer sollte es heizen, außerdem hätte die Wärme nicht lang angehalten. Da neben dem bett eine hölzerne Brettertür die nicht dicht abschloß den Dachboden abgrenzte, spürte ich nachts einmal etwas in meinen Haaren. Es dürfte eine Maus oder gar eine Ratte gewesen sein, die sich Material für ihren Nestbau beschaffen wollte. Als wirksames Einschlafmittel gab es einen im Backrohr oder auf der Herdplatte erwärmten Dach oder Mauerziegel der in ein Tuch gewickelt und am Fußende ins Bett gelegt wurde. Als Maurerlehrling musste ich manchmal schon auswärts schlafen wenn die Baustelle zu weit von Daheim entfernt war. 15 Jahr war ich alt und musste 30km entfernt arbeiten. Eine Woche fuhr ich täglich mit dem Zug hin und her. Das war sehr schwierig, da ich 7km bis zur Rollfähre musste, drüber der Donau noch 300m zum Bahnhof Marbach, dann eine Stunde mit dem Zug bis Grein fahren. Da suchte ich mir eine Unterkunft und fuhr nur zum Wochenende heim. Das Schlafzimmer war nicht im Haus des Hausherrn sondern in einem Zweithaus, 100m entfernt und auch ohne Heizmöglichkeit und das im Winter. Eine Woche musste ich einmal nach Türnitz, dort waren wir zu zweit und gut untergebracht. Auch in Hainfeld hatten wir eine Baustelle. Täglich von Hainfeld bis Traisen mit der Bahn und schlafen in Traisen. Bei dieser Fahrt entgleiste einmal der Zug nachts. Da liefen die Eisenbahner mit den Fackeln herum. Weiter ging es dann in die Steiermark, besser gesagt Oberösterreich, weil Unterlaussa ganz an der Grenze lag. Da ist uns einmal die Lokomotive gebrochen. Gebaut wurde eine Kriegsgewichtige Drahtseilbahn. Wir waren in einer Baracke untergebracht in der auch die sogenannten Ostarbeiter ihr Dach über dem Kopf hatten. Der Schlafplatz war nicht schlecht, aber die Toilette bestand aus einer großen langen ausgehobenen Erdgrube die nur mit Holzbrettern überspannt war und 7 – 8 Mann daneben sitzen konnten. So etwas heißt Latrine. Nach Auflassen so einer Freiluftanlage wurde diese mit Erdreich zugeschüttet. Als sich unsere Baustelle auf einer Höhe von 1100m befand hatten wir in einer Almhütte Wohnung bezogen. 13 Mann, eine Köchin und ein Küchenmädchen. Im Himmelbetten und genug Wärme war es nicht schlecht. Zur vormillitärischen Ausbildung gab es für 16 jährige ein Schilager. Wir bekamen in der Kaserne Melk eine Uniform und fuhren mit dem letzten Zug nach Lunz am See. Bei herrlichem Mondschein gingen wir zu Fuß bis Lackenhof. Unterkunft war eine Jugendherberge. Auf Bettgestellen, einer neben dem anderen gab es sowieso nicht, aber es war wunderbar. Ein Jahr später musste ich nach Payerbach – Reichenau zum Wehrertüchtigungslager fahren. Wir waren in einem Schloss untergebracht. Dort hatten wir auch mit Tomaten anstatt Paradeiser Bekanntschaft gemacht. Vor dem Essen musste einer einen Tischspruch sagen, alle anderen sagten alle Mann ran. Nach dem Essen sagte ein Ausbildner: Wir sind gut, und wir mußten schreien "SATT ". Die Betten waren aus Holz und übereinander. Dort lernten wir Ordnung  und folgen und auch schon scharf schießen. Vor der Nachtruhe musste alles im Bett sein und ein Stubenältester musste eine Meldung machen, wenn der Unteroffizier vom Dienst die Kontrolle machte. Als einmal der UVD hereinkam schrie der Melder ACHTUNG! Der über mir drehte sich um, blickte auch zur Tür und krachte durch auf mich und mit mir bis am Boden. Der UVD lachte und war verschwunden. Die Betten mußten sauber und ganz glatt gestrichen sein. Wer den schönsten Bettenbau fertig brachte durfte am Sonntag, mit auf die Rax fahren. Ich war dabei. Bis zu meiner Einberufung in den Kriegsdienst war ich beim Drahtseilbahnbau beschäftigt. Es war August 1944

Der Sammelplatz war LINZ, wo am Tag davor der Bahnhof bombardiert worden war. In der Nacht fuhren wir nach WIEN wo ebenfalls der Westbahnhof Ziel der Bomben war. Gut angekommen gingen wir zu Fuß zum Franz – Josefs – Bahnhof und fuhren bis Zistersdorf. In noch Zivilkleidung lagen wir auf Stroh in einen aufgelassenen Pferdestall. Gleich die ersten Tagen gab es Fliegeralarm. Wir liefen in die Weingärten beim Bisamberg. Nach einer Woche ging es mit der Bahn nach Nickolsburg in ein Schloss. Dort bekamen wir Uniform, Waffenlehre und lernten exerzieren. Es dauerte nicht lange und es ging in einem fast verschlossenen Möbeltransporter Richtung  Ostfront. In der Slowakei bei Dubnitza, auf dem Gelände eines Rüstungsbetriebes. Für diese Holzbaracke mußten wir erst mehrere km Betten holen. In der Zwischenzeit errichteten Zimmerleute ein paar Meter vor unseren Eingang einen Galgen worauf ein Ing. wegen angeblicher Sabotage gehängt wurde. Ein Messgerät hatte er gebrochen. Kurz vorher starben dort einige 100 Menschen durch einen Fliegerangriff. Wir waren nicht lange und wurden zu einen anderen Rüstungsbetrieb verlagert und lebten in einem gemauerten Haus. Dort begann erst richtige Waffenausbildung. Weiter ging es ins Frontbereich, da gab es dann keine Betten mehr. In leeren Häusern am Boden auf Stroh gebetet, einer neben dem anderen und draußen Granateneinschläge. Noch weiter vorne gab es dann auch kein Haus mehr, sondern im Gelände eine Holz und Stroh getarnte Schlafstelle.

Immer abwechselnd am Ufer des Flusses Gran in einen Schützenloch zu zweit Wache halten. Es war keine bewegliche Front sondern ein Stellungskrieg. Einmal musste ich mich mit einem Kameraden ein Loch teilen das zur Hälfte überdeckt und zum Schlafen des einen geeignet war während der zweite wachte. Mein Kollege hatte kurz zuvor an einen Spähtrupp teilgenommen wofür sie auch etwas Schnaps bekamen, daß er zuvor getrunken hatte sagte er mir nicht. Ich schlief und wurde durch Granatenlärm munter. Ich sprang auf und sah, daß mein Freund stehend schlief. So ähnlich zog es sich bis Kriegsende dahin. Mein Morgen und Abendgebet gab ich bis heute nicht auf. Ich hatte immer Glück. Immer war es vor oder nach uns stürmisch. Endlich war für uns die Schießerei am 5. Mai 1945 vorbei. Alles bewegte sich durch das Waldviertel westwärts bis Freistadt, wo schon die weißen Fahnen auf den Häusern hingen. Etwas weiter übernahmen uns die Amerikaner und trieben uns zu Tausenden auf einer  Wiese zusammen. Wir wurden von drei Panzern bewacht. Sie nahmen uns nichts und gaben uns auch nichts. 25 Mann einen Wecken Brot und abends ein wenig Wassersuppe. Der Himmel war unser Dach. Nach einigen Wochen forderte der Russe die von Osten nach Westen geflüchtete Soldaten als Gefangene an, ich war wieder einmal dabei. Über Tschechei bis Edelbach am Truppenübungsplatz nächtigten wir unterwegs auf Wiesen, dann endlich in einem Lager. Nach Bad und Entlausung und Entfernung aller Haare, 6 Mann in einem Bett. 2 am Boden, 2 im Bett und 2 im Oberbett, das waren 1200 Mann in einer Baracke. Und von mehrfachem Stacheldraht umgeben. Auch das war nicht von Dauer. Nach einigen Wochen wurden wir in Viehwaggons verladen auf Stroh gelagert und Richtung Osten gefahren. Stark vergittert und verschlossen 40 Mann wie Sardinen in jedem Waggon. Nach drei Wochen in Konztanza am schwarzen Meer angekommen, wieder einmal auf der Wiese. Tags so heiß und Nachts so kalt. Gott sei es gedankt, daß der Krieg im Frühjahr zu Ende ging. In drei Wochen einen Tag vor der Einschiffung wurden wir am 17. August 1945 von der Gefangenschaft befreit. Diesmal fuhren wir in offenen Waggons, 40 innen und 20 am Dach. Am 5. September kamen wir am Wiener Südbahnhof an. Vor der endgültigen Entlassung wurde noch gefragt, wer bei der SS war. Diese Befreiung sollte ein besseres Wahlergebnis bewirken die im Herbst 1945 noch stattfand. Gott sei dank hatten die Österreicher soviel Vernunft, sonst wären auch wir ein Teil des Ostblocks geworden. Zu Hause gab es endlich wieder ein normales Bett. Ich war über 20 und suchte auch schon nach einer Partnerin, das war manchmal schon mit liegen in fremden Bett verbunden, aber immer in heimlicher Weise. Nicht so wie heute, dass sie mit dem Auto hinfahren und tun als wären sie immer schon dagewesen. Heute mit der Emanzipation fahren sogar Mädchen zum Burschen bleiben über Nacht, verschwinden am nächsten Tag, womöglich erst Mittag und machen sich nicht die geringsten Gedanken über heiraten. Alle wollen frei sein. 20 Jahre machte ich Reisen im In- u. Ausland, da gab es sehr gute und auch weniger gute Hotels. Es waren durchwegs schöne Erlebnisse. Jetzt da ich mit zunehmenden Alter und Gebrechlichkeiten behaftet bin, schlafe ich nur mehr zu Hause, oder zur Abwechslung wieder einmal im Krankenhaus. Mein Bett besteht aus Biomatratzen und Decken aus Merinowolle. Vom Rutengänger gemessen liege ich auf Erd – Wasser oder Stromstrahlung, hatte auch das Zimmer einmal gewechselt und liege wieder dort, wo ich schon immer lag. Ich hatte mir im Keller unter meinem Schlafplatz eine große Bleiplatte gelegt und habe keine Schlafschwierigkeiten. Die Federkernmatratze hab ich längst schon entfernt. Ich meine auch, daß an der ganzen Strahlerei eine gewisse Einbildung mitwirkend ist, so wie man an die Wirkung mancher Heilpraktiker glauben muß. Nun wünsche ich allen eine gute Liegestatt, denn ein drittel unseres Lebens verbringen wir im Schlafen.

 

©  by Anton Kriebert  & Franz Sonnleitner

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